Der Stadtgarten Castrop

Der gesamte Stadtgarten und das Parkbad Süd stehen seit 1995 unter Denkmalschutz. Die Geschichte des Castroper Stadtgartens beginnt im Jahre 1925 mit dem Kauf der Schlingermannschen Wiesen.

Stadtgarten Castrop-Rauxel

Ziel des Stadtgartens in seiner Entstehungszeit war, dass die Menschen in ihm „Entspannung, Erholung und Erhebung“ finden, so ein Zitat aus den 1920er-Jahren. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Der Stadtgarten Castrop-Rauxel als Denkmal und historisches Zeitdokument eines ausgeprägten städtischen Selbstwertgefühls lädt auch noch heute zum Spazierengehen, Verweilen und Entspannen ein. Gleichzeitig hat der Stadtgarten neben seinem Angebot als Erholungsgebiet auch eine gartendenkmalpflegerische Bedeutung.

Aussehen wieder sichtbar gemacht

Der gesamte Stadtgarten und das Parkbad Süd stehen seit 1995 unter Denkmalschutz. Von 2003 bis 2006 wurden im Stadtgarten mit Fördermitteln des Landes NRW umfangreiche Maßnahmen durchgeführt, um das ursprüngliche Aussehen des Parks wieder sichtbar und erlebbar zu machen. So konnten einzelne Teilbereiche im Sinne der ursprünglichen gartenarchitektonischen Konzeption wieder hergestellt werden. Beispielsweise wurde die bereits vorhandene Lindenallee freigestellt und durch weitere Lindenbäume ergänzt. Die Kreuzungspunkte der Lindenallee mit den beiden historischen Querachsen markieren heute wieder die damals angelegten achteckigen Schmuckbeete und die Wegeführung erfolgt wieder nach den alten Planvorlagen. Im Bereich des Gondelteiches wurde der am Südufer gelegene Wasserfall durch eine Bepflanzung mit Stauden, Gräsern, Farnen und niedrigen Ziergehölzen aufgewertet. Eine weitere Maßnahme der Stadtgartenrestauration war die Wiederherstellung des Rosengartens und der Konzertmuschel, sowie die Bepflanzung des Stauden- und Gehölzgartens.

Badebetrieb seit 1926

Die Geschichte des Castroper Stadtgartens beginnt im Jahre 1925 mit dem Kauf der Schlingermannschen Wiesen, einem großen Freigelände zwischen der Altstadt und dem Stadtteil Obercastrop, durch die Stadt Castrop. Dort sollte das von der Bevölkerung schon lange geforderte Freibad entstehen. Der Badebetrieb konnte bereits im September 1926 aufgenommen werden. Zum Wunsch nach einem Freibad gesellte sich der Wunsch, einen Stadtteich anzulegen. Die Pläne hierfür sahen vor, den Teich mit seinen umgebenden Freiflächen und die Umgebung des Freibades zu einer Park-und Erholungsanlage auszubauen.

Teichbau beginnt 1931

1931 lieferte das Tiefbauamt die Ausführungspläne mit allen dazugehörenden Teilplänen für den Bau des Teiches und die Gestaltung seines Umfeldes. Das Herzstück des Stadtgartens war der 170 mal 60 Meter große Teich. Eine kleine, kreisrunde Insel sollte Schwäne und Enten beherbergen. Um den Park nach den Plänen zu bauen, musste das gesamte Gelände ummodelliert werden. Insgesamt waren über 15.000 Kubikmeter Bodenmassen für den Teichbau zu bewegen. Es wurden Wege angelegt und Beete und größere Flächen zur Bepflanzung oder Raseneinsaat vorbereitet.

Im Herbst 1932 waren die Erdarbeiten im zukünftigen Stadtgarten abgeschlossen. Noch sah jedoch der Gondelteich und das ihn umgebende Gelände im Gegensatz zu den bereits rund um das Freibad fertiggestellten Anlagen ziemlich kahl aus. Die Aufteilung der Flächen und die Einteilung der Wege waren schon erkennbar. Die Bepflanzung erfolge erst nach dem Winter 1932/33. Im Frühjahr 1933 wurde der Park mit seinem Teich, dem Bachlauf mit Wasserfall und den botanischen Besonderheiten in Staudenrabatten und Gehölzen der Bevölkerung übergeben. Der große Teich wurde »Gondelteich« genannt, obwohl auf ihm offiziell niemals gepaddelt oder gerudert werden durfte. Als während des Zweiten Weltkrieges die Lebensmittel knapp wurden, nutzten die Bürger auch den Stadtgarten zum Anbau von Kartoffeln und Gemüse. Nach dem Krieg ließ die Stadtverwaltung den zerstörten Stadtgarten nach den alten Plänen wieder herstellen. Zwischen 1989 und 1990 wurde das nicht mehr benötigte Vorwärmbecken des Freibades in ein Feuchtbiotop umgewandelt und der nahe dem Gondelteich gelegene Spielplatz neu gestaltet.

Quelle: Wolfgang Gaida, Helmut Grothe, 2010: Barocke Pracht, Bürgerstolz und Orte des Wandels – Gärten und Parks im Ruhrgebiet, Essen